THEMEN
Die Uhr am Alten Rathaus in Esslingen
Peter Köhle

Die Uhr am Alten Rathaus in Esslingen

Herausgegeben von Stiftung Esslinger Kulturpreis / Mit Texten von Birgit Hahn-Woernle, Günther Oestmann / Mit Illustrationen von Peter Köhle

Pappband, 17,0 x 25,0 cm
58 Seiten, 38 Tafel-Abb.
2003, Januar (1., Aufl.)
ISBN 978-3-87437-471-2
sofort lieferbar
14,95 €

inkl. MwSt.
zzgl. Versand

     

Diem stattete die Uhr mit einem astronomischen Räderwerk und mit einer Mechanik zur Bewegung von Automatenfiguren aus. Vorbild waren offenbar andere Werke wie die Straßburger Münsteruhr und die Uhrwerke mit Astrolabzifferblättern für die Rathäuser in Heilbronn und Ulm.

Unter den Räderuhren für große öffentliche Gebäude kommt dem schmiede-
eisernen Uhrwerk mit Viertelschlag für die Esslinger "Brotlaube am Markt",
auch Steuerhaus genannt - heute Altes Rathaus - sicher eine dominierende
Rolle zu. Der Esslinger Uhrmacher Marx Schwarz hinterließ das 1581 begon-
nene Werk bei seinem Tod als Torso, so daß 1586 Jakob Diem aus Tübingen
verpflichtet wurde.

Die jügere Anlage des Esslinger Uhrwerks ist dreiteilig gestaltet: unten das
Zifferblatt mit der Zwölferteilung in römischen Zahlen und den Ziffern für die
Viertelstunde. In der Mitte fassen vier korinthische Säulen das astronomische
Zifferblatt. Im oberen Geschoß erscheint in der Maueröffnung der jeweilige
Tagesregent, flankiert von zwei beweglichen, vor Nischen stehenden Figuren
der Justitia und Temperantia. Ober dieser Mechanik wird "deß Mondschein
Zue vnnd Abnemmen" gezeigt: das Uhrwerk bewegt eine Scheibe mit zwei
Bildern des Mondes.
Als Bekrönung bewegt der Adler, Symbol der Reichsfreiheit, zum Stunden-
schlag seine Flügel. Die vom Adler beäugten Symbole eines guten Stadtre-
giments (Gerechtigkeit/Justitia und Mäßigkeit/Temperantia) waren Gegen-
stand einer gedruckten Einweihungspredigt des Untertürkheimer Pfarrers
Thomas Birck, 1590.

Der zum Marktplatz gewendete Fachwerkgiebel mit dem ganzen Nordteil des
alten Steuerhauses wurde für eine repräsentative Neuplanung durch Heinrich
Schickhardt zur Disposition gestellt und durch einen neuen Renaissance-
giebel ersetzt. Der Meister des neuen, damals als spektakulär empfundenen
Stuttgarter Lusthauses sollte durch den Bau eines verputzten und bemalten
Stufengiebels mit repräsentativer astronomischer Uhr auch dem Esslinger
Ansehen neuen Glanz verschaffen.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok