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Der Kaplan

Der Kaplan

Aufzeichnungen aus einem Leben

Mit Texten von Georg Schwaiger

Leinen, 12,5 x 20,5 cm
216 Seiten
1993, Januar (3. Auflage der Neufassung von 1986)
ISBN 978-3-87437-350-0
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Ein junger Mann verschreibt sich gerne mit flammendem Herzen ganz und gar einer Sache. Seine Umgebung rät ihm dann zumeist, sich Zeit zu nehmen, sich noch einmal zu besinnen, bevor er eine seinen weiteren Lebenslauf bestimmende Entscheidung trifft.

Auf dem Weg zum Priesteramt war dies vor 100 Jahren noch anders. Nicht früh genug konnte die Entscheidung getroffen werden, am besten noch bevor der Mann im Jüngling erwachte.

Die von Joseph Bernhart deutlich mit autobiographischen Zügen verfaßte Erzählung »Der Kaplan« beschreibt diese Situation im Leben eines jungen katholischen Priesters, der auf der einen Seite mit seiner scheinbar so endgültigen Entscheidung zum Zölibat kämpft und andererseits mit der gebotenen Unterordnung zu den kirchlichen Autoritäten, die den stürmischen jungen Geist mit einer abseits auf dem Land gelegenen Kaplanstelle zu zügeln wissen.

Joseph Bernhart führt uns mit seinem Text in eine längst vergangene Zeit, in der die Bedürfnisse der Menschen in ihren Grundzügen doch die gleichen waren wie heute.
Joseph Bernhart
© Anton H. Konrad Verlag / Joseph-Bernhart-Gesellschaft e. V.

Joseph Bernhart

Ein außerordentliches Leben führte der 1881 in Ursberg geborene Joseph Bernhart. Er hat sich für ein Leben als Priester entschieden. 1904 erhielt er die Priesterweihe für das Bistum Augsburg, studierte aber davor schon katholische Theologie und Philosophie in München.

In beiden Fachgebieten brillierte er, verband sie zu einem Messpunkt der Authentizität und Integrität in seinem Leben. Mit der gebotenen Ernsthaftigkeit erreichte er den Titel Doktor der Theologie im Jahr 1910 über mittelalterliche Mystik, 18 Jahre später dann den Dr. phil.

Die innere Auseinandersetzung mit der Unterordnung unter kirchliche Autoritäten und die Endgültigkeit des Zölibats brachten ihn dazu "Der Kaplan" zu schreiben. Neben vielen anderen, und sehr bedeutenden Werken aus unserem Programm, spiegelt dieses Werk insbesondere die persönlichen Lebensumstände der prägenden Epoche.

Zunächst also als Kaplan in Markt Wald, Tandern, Hollenbach, Neuburg an der Donau und Murnau, wurde er zudem Mitarbeiter der Zeitschrift "Hochland", die damals schon ökumenisch arbeitete und maßgeblich an der Kritik der NS-Ideologie mitwirkte.

Bernharts Wissensdurst führte ihn weiter zum Studium von Latein, Germanistik und Geschichte in Jena, das nicht beendet hatte, da er inzwischen Elisabeth Nieland kennengelernt hatte. Nach einer schweren Entscheidungsphase heirateten beide geheim und standesamtlich in London - im Jahr 1913.

Damit wurde Joseph Bernhart als Priester oder besser "Laie" exkommuniziert. Seine Rekonziliation, also die Wiederaufnahme in und Versöhnung mit der Kirche, erfolgte erst 1939 und 1942.

Immer und ständig publizistisch tätig, mündete seine Ablehnung der NS-Ideologie 1942 in einem Veröffentlichungsverbot.

Seit 1948/49 war unser Autor wieder ein gefragter Referent. In zahlreichen Vorträgen trug er dazu bei, den wahren christlichen Gedanken von Nächstenliebe und Aufrichtigkeit in Deutschland zu verbreiten und sich in diesem Geiste um die ehrliche Aufarbeitung der Verbrechen zu bemühen.

Er wurde Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Società Europea di Cultura.

Wenig später, 1952, wurde er zum Honorarprofessor für mittelalterliche Geistesgeschichte an der Universität München berufen.

Im Zentrum seines vielfältigen, auch literarisch wertvollen Werkes als Theologe, Philosoph, Dichter und Kulturhistoriker steht die Suche nach dem Sinn und die Frage nach dem Bösen in der Geschichte. Eugen Biser stufte Joseph Bernhart als größten Geschichts- und Existenzdenker des 20. Jahrhunderts ein.

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