THEMEN
Versunkene Welten
Theophile von Bodisco

Versunkene Welten

Erinnerungen einer estländischen Dame

Herausgegeben von Henning von Wistinghausen

Leinen, 24,0 x 17,0 cm
340 Seiten, 38 Abbildungen auf Tafeln
1997, Januar
ISBN 978-3-87437-403-3
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Die Erinnerungen umfassen den Zeitraum von der frühesten Kindheit der in Reval (Tallinn) geborenen Autorin bis zur Flucht nach Deutschland im Dezember 1918 vor den eindringenden Bolschewiken, als die altbaltische Welt versank.

Neben der Erzählung des Lebens im vorrevolutionären Estland besteht der Reiz dieser Memoiren darin, daß sie sich nicht auf diese nördlichste unter den ehemaligen drei russischen Ostseeprovinzen beschränken, sondern auch die Universitätsstadt Dorpat (Tartu) im südlich angrenzenden Livland, einen Abstecher in dessen Hauptstadt Riga sowie Aufenthalte in Finnland, St. Petersburg und Moskau einbeziehen. Zum anderen eröffnen die Auslandsreisen, vor allem mehrere längere Besuche zwischen 1891 und 1914 in Berlin, Perspektiven, die der Autorin den Blick schärfen für die Verhältnisse zu Hause und, umgekehrt, dem Leser eine Außenansicht des sich unter den Bedingungen der Wilhelminischen Ära schnell und nach Auffassung von Theophile von Bodisco nicht immer zu seinem Vorteil wandelnden Deutschland bieten.

Die Welt der deutschen Balten ist ebenso versunken wie die Lebensformen des alten Europa zwischen St. Petersburg, Wien und Berlin mit dem Ersten Weltkrieg untergegangen sind. Diese Welt stellte eine besondere und unverwechselbare Facette alteuropäischer Kultur deutscher Prägung dar. Sie unterschied sich aber deutlich von der binnendeutschen Variante, war nicht frei von nördlichen und östlichen Einflüssen und wurzelte noch ganz in vornationalen ständischen Vorstellungen. Davon berichten diese Erinnerungen aus der Sicht einer Frau, die in Estland geboren und aufgewachsen ist und dort die großen Umbrüche im ersten Viertel unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts miterlebt und reflektiert hat.

Theophile von Bodisco (1873-1944), einst eine von dem legendären Lektor des S. Fischer Verlags Moritz Heimann entdeckte Schriftstellerin, schildert in ihren erstmals veröffentlichten Erinnerungen mit einer für eine Angehörige ihrer Generation und Gesellschaftsschicht seltenen Offenheit Lebensumstände und Menschen und vor diesem Hintergrund die Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit. So entsteht das Bild einer faszinierenden Frauengestalt und zugleich des Milieus, das sie in ihren zwischen 1913 und 1924 erschienenen baltischen Romanen dichterisch gestaltet hat.