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BÜCHER

Endlich da! Der Band über das Alte Berliner Rathaus ist in unserem Verlag erschienen. Ein weiteres teures Stück Berliner Geschichte. Es stammt aus der Reihe der 'Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin', die vom Berliner Landesdenkmalamt herausgegeben wird.

Langjährige Ausgrabungen vor dem Roten Rathaus an der Baustelle der Linie U5 haben Klarheit und Überraschungen gebracht, die - nebst digitalen Phasenrekonstruktionen - im Buch akribisch dokumentiert und beschrieben sind.

 

Beim 27. Berliner Archäologentag

Im November 2025 wurde das Buch mit 7 Beilagen beim Berliner Archäologentag vorgestellt. Hier wurden und werden die wichtigsten Grabungen und Forschungsergebnissse des Jahres vorgestellt.

Die Buchvorstellung zur Archäologie des Alten Berliner Rathauses passt daher in den archäologischen Rahmen und fand am Nachmittag statt. Neben spannenden Beiträgen zur Grabung am Molkenmarkt war der Petriplatz wie auch die Schlosskirche in Berlin-Buch ein wichtiges Thema. Wichtige Fortschritte wurden über das Zwangsarbeiterdurchgangslager in Wilhelmshagen präsentiert. Waffenfunde in den Viktoriahöfen brachten Erstaunliches zutage. Dazu später mehr.

 

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Auditorium im Humboldt-Saal der Staatsbibliothek Berlin, Unter den Linden © Konrad Verlag

 

Buchvorstellung

Das Interessante an unserem Buch ist, dass es alle Einblicke bietet, die die Archäologen dokumentiert haben und die leider nach den Grabungen wieder zugeschüttet wurden bzw. werden mussten.

Mit mehr als 150 Teilnehmern erfreuten wir uns am großen Interesse am Buch.

Bertram Faensen eröffnete die Buchvorstellung mit einem Überblick über die wichtigsten Etappen der Ausgrabungen wie auch über den Rathausbau und leitete über zum Baubeginn des Roten Rathauses im Jahr 1860 - inklusive einer Verortung in den Duktus des nordostdeutschen Rathausbaus.

Gunnar Nath stellte die Rekonstruktionsmodelle des Alten Berliner Rathauses aus 1300 und 1400 vor wie auch die späteren Einwölbungen und den Turmbau, die im aktuellen Band beinhaltet sind. Er sieht 3D-Rekonstruktionen prinzipiell als Forschungsgrundlagen an.

Dirk Schumann berichtete über den Vorgängerbau aus 1260/70 mit Strebepfeilern, der Grabungsüberraschung, wobei die wirtschaftlich positive Entwicklung an der baulichen Aufwertung zu erkennen sei - nämlich beim Übergang von der Holz- hin zur Stein(Ziegel)konstruktion. Das Alte Berliner Rathaus diente denn auch in Frankfurt an der Oder als Vorbild für den dortigen Rathausbau.

 

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Interessante Gespräche am Büchertisch © Konrad Verlag
 

Eine Sichtachse in den Untergrund zu den Vorläufern der Berliner Bürger-Verwaltung wäre wünschenswert. Es könnte ähnlich aussehen wie das Archäologische Fenster in der Lobby des Hotels Capri am Petriplatz vielleicht.

 

Programm

Durch den Tag leitete Jens Henker. Den Begrüßungs- und Ausblickblock bestritten Christoph Rauhut (Landeskonservator Berlin), Michael Meyer (Vorsitzender der Archäol. Gesellschaft in Berlin und Brandenburg) und Sebastian Heber (Leiter Bodendenkmalpflege beim LDA Berlin).

Wir stellen hier eine "kleine" Zusammenfassung der Beiträge des 27. Archäologentags zusammen, wobei klein nicht unbedingt kurz heißen muß.

Untersuchungen an der Schönerlinder Straße in Berlin Pankow präsentierten Heino Neumayer und Thomas Schenk.

Eberhard Völker leitete über zu den umfangreichen Grabungen am Molkenmarkt in Berlin Mitte.

Seine Kollegen Christina Becker und Janko Reichel-Heisig erläuterten die praktizierte Dokumentationsmethodik.

Mit den Brunnen und Latrinen, die häufig wichtige Funde für die Archäologen bereithalten, befasste sich Anna Schimmitat, während Björn Zängle die Keller des 13. bis 15. Jahrhunderts untersuchte.

Karoline Müller stellte mittelalterliche Grabenstrukturen vor, Mercedes Gransow konnte anhand von Textilfunden über mittelalterliches Recycling berichten.

 

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Bertram Faensen bei der Vorstellung der Überraschungbefunde © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Paul Hahn

 

Im zweiten Block kamen unterschiedliche Fundstätten zur Sprache.

So berichtete Claudia Maria Melisch über Erkenntnisse von Körperfunden vom Petriplatz. Dort wurden insgesamt 4000 Tote geborgen, die nach Untersuchungen auch wieder bestattet wurden. Es sind verschiedene chronologische Schichten faßbar, die anhand der Radio-Carbon-Datierung bis ins Jahr 950 zurückreichen und die tiefste Fundschicht darstellen. Offenbar hat man früher auch einander Fremde zusammen beerdigt, hier vor allem wurden Kinder zu Erwachsenen gelegt und zwar so, dass die Erwachsenen die Kinder in ihren Armen hielten. 

Gunnar Nath berichtete über die Grablege der Julie von Voß, der zweiten Frau von König Friedrich Wilhelm II. Sie befindet sich in der Schloßkirche Berlin Buch, war im Krieg zerstört und in den 1960er Jahren wieder aufgebaut worden, jedoch nicht komplett. Das wollte der Verein für den Wiederaufbau ändern und sammelte ab 2007 Spenden, so dass im Jahr 2022 mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte. Im Zuge der Arbeiten hat man unlängst den Überraschungsfund gemacht: im Jahr 1789 beerdigt, konnte der Sarg der Königin in einem guten Zustand geborgen werden. Er ist prachvoll, klassizistisch, mit feuervergoldeten Ziergirlanden geschmückt. Dazu symbolisch unterstrichen mit Löwenmedaillon und Palmwedel.

Im Beitrag von Anton Legge und Kyrill Radezky wurden die Nummermarken aus dem NS-Zwangsarbeiterlager in Berlin Wilhelmshagen untersucht. Dorthin wurden offenbar hauptsächlich Männer und Frauen aus der damaligen UdSSR, dem heutigen Ukrainegebiet verschleppt. Einige wenige Menschen kamen aus Polen und Italien. Sobald man ankam, wurde man seiner Identität beraubt und nur noch durch eine Nummer auf der Umhängemarke identifiziert und angesprochen. In der Kälte kauern und tagelanges Warten, bis jemand einen ausgesucht hat, war die gängige Praxis. Die Menschen haben trotzdem auf die Rückseiten der Marken ihre Namen und Geburtsdaten eingeritzt, mitunter auch Reime oder Sätze oder kleine Bildchen. So konnten viele von den Verschleppten in ukrainischen Archiven identifiziert werden.

Unterschiedliche Waffenfunde haben Uwe Midas und Ivo Hörnicke untersucht. Es handelt sich um den größten Waffenfund, der dem Landesdenkmalamt je gemeldet wurde. Er stammt aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs und umfasst auch ältere Wafffen und Kriegsinventar, wie Helme aus dem Ersten Weltkrieg, Langwaffen bsp. eine Muskete aus dem 18. Jahrhundert. Die sowjetische Militäradministration hatte damals die Bevölkerung aufgerufen, alle Waffen bei den Rathäusern abzugeben.

Darunter fand sich sogar ein mandschurisches Schwert aus der Qing-Dynastie (1834-1844), das wohl während des "Boxeraufstands" 1899-1901 von einem deutschen Offizier als Trophäe mitgenommen wurde. (Zum Hintergrund: Es war der chinesische Aufstand gegen die Kolonialmächte, an dessen blutiger Niederschlagung inklusive Plünderungen ab 1900 auch deutsche Kräfte beteiligt waren.)

 

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Dirk Schuhmann über die Baugeschichte © Landesdenkmalamt Berlin, Foto: Paul Hahn

 

Die archäologische Untersuchung der Vergangenheit bleibt eben, wie Matthias Wemhoff im Schlußwort sagte, eine große Chance und zugleich eine große Verpflichtung, die nie endet.

 

Nach diesem Ausflug in die unterschiedlichen Themen kehren wir zurück zu unserem:

Rathausband 

  • Die Überraschung, die oben schon angerissen wurde, eröffnete eine weitere und ältere Geschichte des Berliner Rathauses: die Überreste des Vorgängerbaus aus 1260/70. Sie waren bis dahin unbekannt.
  • Die Ausgrabungen konnten also insgesamt ganze 13 Bau- und Nutzungsphasen des Alten Berliner Rathauses nachvollziehen. Die Texte gehen auf die Funde, die Architektur und die historische Einordnung ein und münden in 3D-Rekonstruktionen der wichtigsten Änderungen.
  • Die berühmte Berliner Gerichtslaube, die nach Potsdam-Babelsberg umgesetzt wurde, ist ebenso Bestandteil der Beschreibungen und Rekonstruktion wie der Turm.
  • Die Arbeiten können anhand der sieben großformatigen Beilagen nachvollzogen werden.

 

Wir bedanken uns für die tolle Zusammenarbeit und freuen uns über das erfolgreiche Buchprojekt! Möge das neue Archäologiebuch zu Berlins Geschichte den Durst nach Wissen angnehm stillen - bis zum nächsten Buch.

Ihr Konrad Verlag

 

Mehr zum schönen Buch: 

9783874376433

 

 

 

 

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